Organisatorisches

Nachdem jetzt viel über die Theorie gesprochen wurde möchte ich mich einmal etwas den praktischen Aspekten der Tour widmen. Zu den einzelnen Stichpunkten hier ein paar Gedanken.

Karten / Navigation

Bei einer Tour über mehrere Wochen über weite Strecken ist unter Umständen nicht sinnvoll, das Kartenmaterial für die gesamte Tour mitzuführen. Auf der anderen Seite ist es auch keine gute Idee, die Tour ganz ohne Kartenmaterial durchzuführen.

An dieser Stelle kommt wieder die Digitalisierung ins spielt, und wie schon bei der Tourenplanung die alpenvereinaktiv-App. Diese bietet nämlich die Möglichkeit, entsprechendes Abo vorausgesetzt, die (Alpenvereins-) Karten offline auf das Smartphone zu laden, und so in digitaler Form mitzuführen.

Jetzt kann so ein Smartphone natürlich auch einmal versagen, oder verloren gehen, weshalb aus Sicherheitsgründen einfach ein Zweites mit der selben App und ebenfalls heruntergeladenen Karten eingepackt wurde.

Smartphone / Foto

Obendrein bietet die alpenvereinaktiv-App auch die Möglichkeit, sich auf der Tour navigieren zu lassen, um an keiner Abzweigen den falschen Weg zu wählen. Somit gehört das Smartphone zum wichtigen Begleiter auf der Tour.

Darüber hinaus bietet die integrierte Kamera auch gleich die Möglichkeit die gemachten Erfahrungen bildlich festzuhalten. Auf das mitführen eines Fotoapparats konnte dadurch verzichtet werden, was wieder etwas Platz und Gewicht im Rucksack gespart hat.

Wetter(-Bericht)

Eine nicht unwichtige Rolle auf einer so langen Tour spielt das Wetter. Nun ist es zwar in der Regel möglich auf jeder Hütten einen aktuellen Wetterbericht für das Gebiet um die Hütte beim Hüttenwirt zu bekommen, doch für so weite Strecken durch größere Gebiete erscheint es sinnvoll eine Vorhersage für ein größeres Gebiet über mehrere Tage zu haben, und diese regelmäßig zu verfolgen.

Der Deutsche Alpenverein bietet hierfür den Bergwetterbericht auf seiner Internet-Seite an. Um diesen auf der Tour regelmäßig abzurufen bedarf es wiederum eines Smartphones und einer Internet-Verbindung.

Strom / Internet

Der Umstand, dass dem Smartphone ein zentrale Rolle bei der Durchführung der Tour zukommt, rückt die Notwendigkeit der Energieversorgung mehr in den Mittelpunkt der Organisation. Es musste sichergestellt werden, dass für den Zugriff auf die Karten, den Wetterbericht und für Fotos immer genug Akku-Ladung vorhanden ist.

Da wir uns nicht darauf verlassen wollten, dass auf jeder Hütte eine Lademöglichkeit für das Smartphone angeboten wird, haben wir Platz der durch den Fotoapparat im Rucksack frei geworden ist, mit einer Powerbank mit Solar-Lade-Funktion aufgefüllt.

Die Versorgung mit Internet-Verbindung über Mobilfunk bzw. WLAN auf der Tour und auf den Hütten war aber im Vorfeld eine große Unbekannte, und es sollte sich erst während der Tour herausstellen wie es sich damit in der Praxis verhält.

Geld

„Nur Bares ist Wahres“ ist ein altes Sprichwort, gilt aber auf den meisten Alpenvereinshütten auch heute noch. Kartenzahlung wie mittlerweile fast überall „im Tal“ möglich ist auf den Hütten noch eher selten möglich. Daher musste das Geld für die gesamte Tour von Anfang an mitgeführt werden, was sich für eine 3-wöchige Tour mit zwei Personen schon mal schnell auf einen entsprechenden niedrigen dreistelligen Betrag summiert.

Busfahrpläne / Zugticket

Für den „Plan B“ bei den einzelnen Tagesetappen war in einigen Fällen ein Abstieg ins Tal, die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel und der erneute Aufstieg zur Hütte geplant. Dazu mussten natürlich dann auch die entsprechenden Busfahrpläne bekannt sein, damit man auch rechtzeitig an der Bushaltestelle sein kann. Diese waren aber allesamt über das Internet abrufbar und wurden ebenfalls als Download auf dem Smartphone gespeichert.

Das Zugticket für die An- und Abreise wurden ebenfalls im Vorfeld gekauft und auf dem Smartphone gespeichert.

Corona

Nun waren wir im August 2020 mitten in der Corona-Pandemie. Zwar waren im Sommer die Infektions-Zahlen relativ niedrig, es gab aber mit „Reservierungs-Pflicht“ auf den Hütten und entsprechender Regelungen für reduzierte Belegungen auf den Hütten entsprechende Einschränkungen auf den Hütten. Außerdem war unklar ob sich Einreise-Regelungen während der Tour kurzfristig ändern würden, schließlich verläuft die Tour durch drei Länder, Deutschland, Österreich und Italien. Dabei war weniger die „Einreise“ währen der Wanderung das Thema als die Rückkehr nach Deutschland am Ende der Tour. Wäre diese über Italien und Österreich überhaupt möglich, wäre ggf. eine Quarantäne notwendig?

Auf die Befürchtung bzw. die Angst, sich auf der Tour anzustecken war natürlich ein Thema, und dann auch bei der ein oder anderen Situation auf der Tour präsent.

Letztendlich haben wir uns davon nicht die Freude und die Lust auf die Tour verderben lassen und sind das Risiko bewusst eingegangen bzw. haben die Ungewissheit auf uns genommen.

Tourenplanung – Teil 2

Nachdem ich die ca. 20 Unterkünfte Angefragt und teilweise reserviert hatte, stand ich vor der nächsten Herausforderung. Die Unterkünfte waren teileweise ausgebucht!

Wetterstein raus, Karwendel rein

Ich war also gezwungen meiner Tour noch einmal umzuplanen. Da ich bei der digitalen Tourenplanung aber mittlerweile eine gewisse Routine hatte, war das nicht so problematisch. Zumal eigentlich nur die weiter nördlich gelegenen Hütten der Tour betroffen, also ausgebucht waren.

Nach mehreren E-Mails, Telefongesprächen und teilweise kostenpflichtigen Stornierungen war die Tour dann umgeplant. Gestartet wurde somit in Scharnitz und die Tour verlief nun durch das Karwendel und über Innsbruck zur Winnebachseehütte und dann wie geplant weiter nach Riva del Garda.

StartZielDistanzDauerAufstiegAbstieg
ScharnitzKarwendelhaus16,105:008320
KarwendelhausHallerangerhaus13,807:1514181445
HallerangerhausAlpenlounge Seegrube (Pension Steu, Innsbruck)12,805:05931779
Grinzens Adolf-Pichler-Hütte7,903:1010260
Adolf-Pichler-HüttePotsdamer Hütte9,704:351029998
Potsdamer HütteWestfalenhaus12,406:4013381082
WestfalenhausWinnebachseehütte6,202:25515428
Ruhetag 000:0000
WinnebachseehütteAmberger Hütte9,403:20492721
Amberger HütteHildesheimer Hütte12,806:451529764
Hildesheimer HütteSchutzhütte Schneeberg13,806:357681313
Schutzhütte SchneebergSchutzhütte Hochalm9,103:30645828
Schutzhütte HochalmAlpshotel Bergland, Pfelders17,806:157931342
PfeldersSchutzhaus Hochgang13,505:301110896
Schutzhaus HochgangGasthof Edelweiß, Martell15,504:555241332
MartellLyfi-Alm11,804:501270401
Lyfi-AlmB&B Casate di Saent, Coler18,107:1512732042
Ruhetag 000:0000
ColerHotel Biancaneve, Cogolo18,507:3013511572
CogoloBivacco Serodoli12,205:251636183
Bivacco SerodoliSant Antonio di Mavignola (Bus -> Riva del Garda)1003:35501299
Gesamt241,41853017425

Nachdem das Grundgerüst der Tour nun stand, ging es an die genaueren Planungen der einzelnen Tagesetappen. Die Etappen waren aufgrund der Reservierungen und Buchungen fest, es gab also wie gesagt nicht wirklich eine Möglichkeit auf z. B. schlechte Wetterbedingungen mit einem Ruhetag oder einer Umbuchung reagieren zu können.

Plan B bzw. schlechte Bedingungen?

Ich musste also sicherstellen, dass wir an jedem Tag auch das Etappenziel erreichen werden, auch wenn die Bedingungen es nicht zulassen würden, auf dem geplanten Weg ans Tagesziel zu kommen. Es brauchte also auch immer einen Plan B.

Das ist jetzt natürlich keine wirklich neue Erkenntnis. Bei Touren in den Bergen muss man die Touren immer so planen bzw. bei der Durchführung immer in der Lage sein auf sich ändernde Bedingungen oder ungeplangen Ereignisse reagieren zu können.

Was hier aber jetzt neu war bzw. die Sache interessant machte, war der Umstand, dass es keine Option war, nicht am geplanten Tages-Ziel anzukommen.

Ich habe mir also die einzelnen Touren etwas näher angesehen und geschaut, für welche ich einen Plan B brauchen würde. Für diese habe ich dann jeweils nach einer alternative Route gesucht. Es stellte sich dann heraus, dass das in der Regel ein Abstieg ins Tal, die Verwendung von öffentlichen Verkehrsmitteln, und der erneute Aufstieg zur nächsten Hütte war. Nur für einzelne Routen gab es die Möglichkeit einen anderen, z. B. niedriger gelegenen Weg, zu wählen. In diesem Zuge haben sich aber auch schwierigere bzw. attraktivere Wege aufgetan.

Nach weiteren längeren Abenden am PC war schließlich für fast alle Etappen auch ein entsprechender Plan B, also eine Alternative geplant.

Tourenplanung – Teil 1

Ich möchte hier weniger die Frage beantworten, wie man eine 3-wöchige Alpenüberquerung plant, sondern die Frage, wie ich mich dieser Aufgabe genähert habe.

Welche Route ?

Es gibt zahlreiche, gut dokumentierte Routen auf denen man mit mehr oder weniger Zeitaufwand über die Alpen laufen kann. Bei machen Gesprächen wurde ich auch direkt gefragt, welche dieser Route ich denn gewählt habe. Diese Frage kann mit nur einem Wort beantwortet werden: „Meine!“

Am Anfang stand die Vorgabe von Kim, die lautete „Winnebachseehütte und Gardasee“. Außerdem gab es ein Zeitfenster zwischen dem 14. August bis zum 6. September 2020 von 23 Tagen (Schulferien, Urlaub) in dem die Tour stattfinden musste. Mir war auch klar, dass wir die An- und Rückreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln durchführen wollen.

Wie plant man „seine“ Route?

Da ich mit den Planungen erst ca. 4 Wochen vor der eigentlichen Tour begonnen hatte, bestand nicht die Möglichkeit, sich sämtliches Kartenmaterial und entsprechende Literatur zu besorgen, um die Tour damit zu planen. Aus diesem Grund habe ich die Planungs-Funktion von alpenvereinaktiv.com zurückgegriffen, um mich einer machbaren Route zu nähern.

Ein paar Anleitungen, wie das mit alpenvereinaktiv.com funktioniert gibt es hier.

Unter Berücksichtigung von täglichen Gehzeiten, Wegstrecken und Höhenmetern habe ich nun stundenlang Touren geplant, geändert, verworfen, neu geplant. Dabei stellte sich schnell heraus, dass die Tour in der zur Verfügung stehenden Zeit eigentlich nicht durchgeführt werden konnte, ohne nicht zumindest teilweise auf öffentliche Verkehrsmittel zurückzugreifen.

Die Tour nimmt Gestalt an

Nach ein paar Tagen entwickelte sich eine Route beginnend in Garmisch durch das Inntal Richtung Winnebachseehütte und von dort aus weiter durch das Passeiertal und das Vinschgau zum Gardasee nach Riva del Garda mit ca. 20 Unterkünften. Die letzten Kilometer sollten dabei aus Zeitgründen mit dem Bus zurückgelegt werden. Auch Ruhetage zur Erholung wurden mit eingeplant.

Normalerweise wäre ich auf so eine Tour mit zwei Personen ohne entsprechende Reservierungen in den Unterkünften gestartet, um flexibel auf die Verhältnisse und die eigene Verfassung reagieren zu können. Jetzt war aber „Corona“ und es stellte sich heraus, dass es eine „Reservierungspflicht“ für Übernachtungen auf den Hütten gab. Auf einer so langen Tour wollte ich nicht das Risiko eingehen, an einer Hütte abgewiesen zu werden. Das bedeutete, dass ich sämtliche Übernachtungen reservieren musste und somit auch fest an den aufgestellten Plan gebunden war, auf etwaige Unwägbarkeiten also nicht flexibel reagieren konnte.

Nachdem ich die ca. 20 Unterkünfte Angefragt und teilweise reserviert hatte, stand ich vor der nächsten Herausforderung. Die Unterkünfte waren teileweise ausgebucht!

Vorwort zur Alpenüberquerung 2020

Dieses Kapitel ist ein Tourentagebuch einer Alpenüberquerung, die ich (damals 40 Jahre) mit meiner Tochter Kim (damals 14 Jahre) im August 2020 unternommen habe. Ich beschreibe die Tourenplanung, die Vorbereitung auf die Tour, organisatorisches und schließlich die Tour selbst.

Es soll als eine Beschreibung des Erlebten verstanden werden, weniger als ein Vorlage für gleiche oder ähnliche Touren.

Vor allem durch den Klimawandel ändert sich unsere Bergwelt immer schneller, und die hier gemachten Angaben können mittlerweile veraltet oder falsch sein. Noch begehbare Wege können in der Zwischenzeit brüchig, gefährlich oder ganz verschwunden, Gletscher geschmolzen sein.

Auch die Angaben zu Gehzeiten sollten nicht ohne weiteres in eine Planung übernommen werden. Diese sind von vielen Faktoren, wie den zum Zeitpunkt der Durchführung vorherrschenden Verhältnissen oder den physischen Zustand des/der Tourengänger/s abhängig.

Die durchgeführte Tour kann mit Sicherheit als „schwer“ bzw. Kategorie schwarz beurteilt werden. Das zum einen wegen der Schwierigkeit von einzelnen Touren (Klassifikation „Schwere Bergwege“ bzw. SAC-Wanderskala T4-T5), zum zweiten wegen der Länge von einzelnen Touren mit Gehzeiten über 8 Stunden und schließlich wegen der Gesamtlänge von mehreren Wochen.

Weitere Informationen: Schwierigkeitsgraden von Bergwegen.

Touren liegen grundsätzlich in der Verantwortung derer, die sie unternehmen. Für Schäden jeglicher Art kann durch mich keine Haftung übernommen werden.

Ich möchte auch nicht unerwähnt lassen, dass ich bei der Planung und Durchführung nicht alles richtig gemacht habe, was letztendlich zum Einen zu nicht ungefährlichen Situationen und zum Anderen zum Abbruch der Tour geführt hat.

Martin Griesbach im Dezember 2020